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arrow KINDER­GARTEN RÜTI, WINKEL, 2017

offener Pro­jek­twet­tbe­werb
Neubau Dop­pelkinder­garten mit Kindertagesstätte



Sit­u­a­tion | Rüti ist Teil der Wohnge­meinde Winkel im Zürcher Unter­land mit ländlichem Charak­ter. Nördlich von Zürich gele­gen ist es ein attrak­tiver Leben­sraum mit Naher­hol­ungs­ge­biet, mit Wäldern, Wiesen und Naturschutzbere­ichen und einer opti­malen Verkehrsan­bindung an das nahe gele­gene Ballungszentrum.

Die organ­isch am Hang gewach­sene Dorf­struk­tur von besteht grössten­teils aus kleineren Gebäudekör­pern in Form von Punk­t­bauten, welche den Hauptcharak­ter des Quartiers aus­machen. In mit­ten der Sied­lungsstruk­tur ist die beste­hende Schu­lan­lage aus dem Jahr 1963, sowie dem vor­let­zten Jahrhun­dert situ­iert. Die zwei Schul­ge­bäude definieren das Schu­lareal, welches nach Osten vom Gebäude der Heilpäd­a­gogis­chen Schule zum Wohn­quartier abge­grenzt wird.

Die Adresse der Anlage bildet das alte Schul­haus, welches sich direkt an der Lufin­ger­strasse befindet. Es wurde im Jahr 1963 mit einem eingeschos­si­gen Neubau ergänzt, welcher rund dreis­sig Jahre später um einen Kinder­gar­te­nan­bau erweit­ert wurde. Um den ständig steigen­den Schülerzahlen gerecht zu wer­den, ist ein Neubau eines Dop­pelkinder­gartens mit Horträu­men notwendig. Für diese Weit­er­en­twick­lung des Ensem­bles ist der Hang ober­halb des beste­hen­den Kinder­gartens und der Heilpäd­a­gogis­chen Schule vorge­se­hen. Das neue Vol­u­men erhält durch diese promi­nente, exponierte Lage inner­halb der beste­hen­den Lern– und Schul­land­schaft eine beson­dere Wichtigkeit und bildet den neuen Abschluss nach Süden.

Zur Opti­mierung der Erschlies­sung und Verbindung der einzel­nen Baukör­per erhält der neue Dop­pelkinder­garten einen Zugang vom beste­hen­den Schul­hausareal aus Rich­tung Nor­den, sowie eine neue Anbindung, vor allem für Zulief­erer, an die Har­garten­strasse im Osten des Are­als. Diese neue Erschlies­sungsachse gewährleis­tet auch die Zuwe­gung nach einer möglichen Erweiterung der Heilpäd­a­gogis­chen Schule im Osten des Geländes.

Zusät­zliche neue Stellplätze für Nutzer und Angestellte wer­den direkt an die Lufin­ger­strasse ori­en­tiert, um die Zuwe­gun­gen inner­halb des Schul­hausensem­bles möglichst sicher und verkehrs­frei zu gestalten.Der beste­hende Baumbe­stand, welcher bere­its jetzt die Anlage prägt, soll erhal­ten wer­den und in die Aussen­raumgestal­tung des Neubaupro­jekts inte­gri­ert wer­den. Der Stan­dort auf dem nach Nor­den und Westen abfal­l­ende Hang mit Weit­blick ins Zürcher Unter­land offeriert eine best­mögliche natür­liche Belich­tung, welche durch die Gebäude­set­zung aufgenom­men wird. Die Set­zung mit Hang­ori­en­tierung ist auch eine Anlehnung an die Aus­rich­tung der ein– und zweigeschos­si­gen Bauten des im Süden direkt angren­zen­den Wohn­quartiers, sowie ein Ver­mit­tler zwis­chen den beste­hen­den Schulgebäuden.

Pro­jekt | Für den Neubau des Dop­pelkinder­gartens mit Hort wird auf­grund wirtschaftlicher und topografis­cher Aspekte, sowie zu Gun­sten einer opti­malen Aussen­raum­nutzung ein dreigeschos­siges Vol­u­men angestrebt. Mit der Min­imierung des Gebäude­fuss­ab­drucks kann der Aufwand von Hang– und Umge­bungsar­beiten, sowie das Anfallen von umfassenden Aushub­ma­te­r­ial ver­mieden wer­den. Weit­er­hin entspricht die Vol­ume­trie dem ortsspez­i­fis­chen Erschei­n­ungs­bild und nimmt die beste­hende Massstäblichkeit seiner Umge­bungs­bauten auf.

Das Vol­u­men besticht durch eine vorge­lagerte Pausen– und Spiel­zone, welche inner­halb des wit­terungs­geschützten Lauben­bere­ichs situ­iert ist und so eine Art Zwis­chen– bzw. Über­gangs­bere­ich vom Innen­raum zum gän­zlich offe­nen Aussen­raum bildet. Weit­er­hin wird die Laube zum Erschlies­sungs– und Verbindungse­le­ment der einzel­nen Nutzung­sein­heiten untere­inan­der, des Aussen­raums mit dem Gebäudein­neren, sowie zum öffentlichen Trep­pe­nauf­gang inner­halb Schu­lare­als. Die Set­zung des Vol­u­mens gliedert die Umge­bung in ver­schiedene Nutzun­gen und Aktiv­itäten, welche aber fliessend ineinan­der­greifen und ein Opti­mum an Nutzungsvielfalt gener­ieren. Die Schaf­fung der ver­schiede­nen Ebe­nen ermöglicht einen nach Klassen getren­nten Aussen-​Unterricht, sowie unter­schiedlich nutzbare Ver­weil– und Aufenthaltszonen.

Grun­driss | Die einzel­nen Nutzung­sein­heiten, beste­hend aus zwei Kinder­garten­klassen und einer Hort­ein­heit sind geschoss­weise im Vol­u­men ange­ord­net und besitzen alle die ein­gangs beschriebene Laube als beson­deren Über­gang zwis­chen Innen und Aussen. Dieser grosszügige Vor­bere­ich dient jeder Ein­heit als wit­terungs­geschützte aber aussen­liegende Erweiterung des Klassen­raums. Aktiviert und in den Unter­richt inte­gri­ert wer­den kann dieser Bere­ich via Garder­obe oder auch via Gruppenraum.

Die geschossüber­greifende und auch die topografis­che Verbindung erfolgt hier mit­tels einem gemein­sam genutzten Trep­penele­ment. Angren­zend an den Lauben­bere­ich befindet sich der Zugang zur jew­eili­gen Nutzung­sein­heit in die direkt angeschlossene Garder­obe, welche auch als zen­trale Vor­zone und Sam­mel­bere­ich dient. Ein grosses Fen­ster sorgt hier, trotz der Gebäude­tiefe, für eine aus­re­ichende natür­liche Ausleuch­tung des Raumes. Ver­stärkt wird dies über das grosse Trep­pe­nauge, welches zusät­zliches Tages­licht ins Innere des Vol­u­mens transportiert.

Der Grun­driss wird durch zwei im Raum ste­hende, voneinan­der abgerückte und um 90 Grad gedrehte Raum­mö­bel organ­isiert und gegliedert. Um diese, mit diversen Funk­tio­nen aufge­lade­nen Kerne fügen sich die Klassen– und Grup­pen­räume, sowie die dem Raumpro­gramm entsprechen­den Hort– und Kinder­garten­räume an. Sämtliche Aufenthalts-​, Spiel-​, Lern– und Ver­wal­tungsräume rücken somit an die Fas­sade, erhal­ten Blick­beziehun­gen nach draussen und eine natür­liche Ausleuch­tung und Belüftungsmöglichkeit.

Der Haup­traum, das Klassen­z­im­mer rückt an die süd­west­liche Gebäudeecke und hat somit die exponierteste Lage inner­halb der Grun­drissstruk­tur. Für best­möglicher Belich­tung sor­gen die bodenge­hen­den Fen­ster­fron­ten, welche die angren­zende Hang­land­schaft in das Gebäudein­nere inte­gri­eren. Nach Westen wer­den die Fen­ster­fron­ten mit einer zusät­zlichen Funk­tion aufge­laden. Grosszügige Arbeits-​, Ablage– und Präsen­ta­tions­flächen ermöglichen den Kindern und Lehrern ein Opti­mum an Nutzungsvielfalt, sowie Arbeits– und Beobach­tungs­bere­iche mit Aus­blick. Die Aus­bil­dung einer Nis­che im rück­wär­ti­gen Klassen­z­im­mer­bere­ich offeriert den Kindern eine heimelige Rück­zugshöhle oder auch eine repräsen­ta­tive Spiel­bühne für kleine Auf­führun­gen oder separi­ertes Spiel in Zweier– oder Vierergruppen.

Kom­plet­tiert wird das räum­liche Dreiges­pann mit dem zwis­chen Garder­obe und Klassen­z­im­mer aufges­pan­nten Grup­pen­raum. Alle drei Kinder­garten­räume kön­nen miteinan­der ver­bun­den wer­den, so dass ein grosszügiger, flex­i­bel nutzbarer All­raum mit unter­schiedlich­sten Raumdi­men­sio­nen entsteht, der ein Opti­mum an Nutzungsvar­i­anz für den Kinder­garte­nall­tag bietet.

Die zen­tralen und gebün­del­ten Funk­tions­bere­iche in Form der bei­den Raum­mö­bel fassen WC-​Anlagen, Stau­räume und Abstell­flächen, Ein­bauschränke, Küchen­mö­bel, sowie einen über alle Geschosse gehen­den Lift zusam­men. Kurze Wege für Haustech­nik, Medien und Ver­sorgung opti­mieren hier den Unter­halt der einzel­nen Nutzung­sein­heiten und opti­mieren die haustech­nis­chen Abläufe. Beide Kinder­gartenein­heiten fol­gen dem gle­ichen Grun­dris­skonzept, welches mit Lehrer– und Sitzungsz­im­mer im Kinder­garten 2 und mit Lager-​, Hauswart– und Tech­nikräu­men im Kinder­garten 1 ergänzt wurde. Sämtliche Funk­tio­nen kön­nen hin­dern­isfrei und direkt über den gemein­samen Lift intern erschlossen wer­den. Auch im ober­sten Geschoss, dem Hort­geschoss wird die Gebäud­e­struk­tur fort­ge­setzt, hat jedoch kleinere struk­turelle Aus­nah­men, welche den dif­feren­zierten räum­lichen Anforderun­gen geschuldet sind. Die struk­turelle Wieder­hol­ung der an die Fas­sade gerück­ten Nutzungs­bere­iche, welche durch zwei Funk­tionskerne gegliedert wer­den, ermöglicht auch in Zukunft ein Höch­st­mass an Anpas­sungs­fähigkeit an wech­sel­nde Nutzer­wün­sche und Bedürfnisse.

Fas­sade | Die klare und ein­fache Hor­i­zon­tal­struk­tur des Grun­drisses wird in der Fas­sade aufge­grif­fen und in einem deut­lichen Raster aus Beton­stützen und liegen­den Beton­scheiben inner­halb der Fas­sade abge­bildet. Das mas­sive, skelet­tar­tige Raster beherbergt den weicheren, hölz­er­nen Gebäudek­ern, sowie die vorge­lagerten, inte­gri­erten Aussen­räume der Lauben­bere­iche. Die Geschos­sigkeit ist über den Wech­sel von hor­i­zon­talen und ver­tikalen Gebäudeele­menten klar ables­bar. Die geschossüber­greifenden, fil­igra­nen Betonpfeiler ver­laufen über die mas­siven Beton­decken hin­aus und brechen deren Dimen­sion, das Gebäude wirkt leichter, frag­iler und weniger mas­siv. Unter­stützt wird dieser Effekt durch die raumho­hen und bodenge­hen­den Fen­ster, welche in Form von franzö­sis­chen Balko­nen der Fas­sade Leichtigkeit und Durch­läs­sigkeit ver­lei­hen. Gelän­der und Brüs­tun­gen struk­turi­eren das Raster zusät­zlich, lösen die Strenge auf und erzeu­gen ein span­nungsvolles Fas­saden­bild. Einzig das Betonskelett folgt den Zwän­gen seiner Kon­struk­tion, macht Achsen sicht­bar und steht für die Stetigkeit der Hülle. Weit­er­hin ermöglicht sie durch ihre Durch­läs­sigkeit und ihre fil­igrane Aus­for­mulierung eine grosszügige Ausleuch­tung der vorge­lagerten Spiel– und Aussen­räume. Durch­blicke von Innen nach Aussen, von Weit und Nah, sowie Aus­blicke in die Ferne und fliessende Übergänge vom geschützten Inneren in die angren­zende Umge­bung offerieren den Kindern ein Höch­st­mass an Nutzungsvielfalt.

Gefasst wird das Gebäude seitlich vom angren­zen­den Gelände, sowie nach oben von einem sich deut­lich abze­ich­nen­den Betonkranz. Im Gegen­satz zum harten Betongerüst der äusseren Schicht und Tragstruk­tur, ist die Hülle der Innen­räume als weiche, organ­is­che und naturbe­lassene Holz­fas­sade konzip­iert. Ergänzt wird der dichte Lat­ten­ver­schlag, von dem Raster fol­gen­den Fen­sterele­menten. Die Absturzsicherung ist über fil­igrane Staketen­gelän­der gesichert, welche möglichst wenig Tages­licht schlucken und auch den Kleinen Aus­blicke in die Umge­bung ermöglichen soll. Das Zusam­men­spiel der ver­schiede­nen tek­tonis­chen und räum­lichen Ele­mente erzeugt ein span­nen­des Fas­saden­re­lief mit ver­schieden tiefen Ein­schnit­ten und Abstu­fun­gen. Die sich abze­ich­nen­den Vor– und Rück­sprünge gener­ieren ein span­nen­des Licht– und Schat­ten­spiel inner­halb des Trag­gerüsts, welches ähn­lich einer Bühne das Spiel der Kinder im Lauben­gang gekonnt in Szene setzt.

Umge­bung | Die beste­hende Schu­lan­lage zeich­net sich durch eine Vielzahl von Plätzen und Aussen­räu­men aus, die sich zu einem abwech­slungsre­ichen Ganzen in die beste­hende Topografie ein­fü­gen. Ergänzt durch ver­schiedene Einzel­bäume ergibt sich so ein Schul­freiraum von hoher Qual­ität. Der Neubau des Dop­pelkinder­gartens markiert am gewählten Stan­dort eine starke städte­bauliche Präsenz und ergänzt die beste­hende Schu­lan­lage auf organ­is­che Weise. Dabei wird auf einen respek­tvollen Umgang mit Topografie und Umge­bung geachtet. Mit­tels zweier Wege wird der Dop­pelkinder­garten an das beste­hende Strassen­netz bzw. an die beste­hende Schu­lan­lage ange­bun­den. Unter Respek­tierung des Baumbe­standes wird die Zugänglichkeit von der Lufin­ger­strasse her neu geord­net. Die Parkierung wird direkt neben das beste­hende Schul­haus angegliedert, um eine Ent­flech­tung von Fahr– und Fussverkehr zu erzie­len. Vom neu angelegten zen­tralen Pausen­platz führt ein neuer Weg direkt zum Doppelkindergarten.

Unter Ein­bezug der Gelän­de­v­er­hält­nisse ergibt sich um den Dop­pelkinder­garten eine Reihe von vielfältig bespiel­baren und unter­schiedliche dimen­sion­ierten Aussen­räu­men. Eine Kies– und Sand-​Spiellandschaft verbindet das Schul­haus und den Kinder­garten. Sie ist vom Erdgeschoss her erschlossen. Zum Hart­platz auf dem Niveau des 1. Obergeschosses gesellen sich ver­schiedene Spiel– und Aufen­thalt­sange­bote sowie eine grosszügige Spiel­wiese. Die Anord­nung an das erste Obergeschoss ist einer uneingeschränk­ten Ein­se­hbarkeit des Platzes aus dem Lehrerz­im­mer geschuldet. Hier kön­nen die Kinder zeich­nen, malen oder sich mit unter­schiedlich­sten fahrbaren Unter­sätzen bewe­gen. Direkt dahin­ter schliesst die grosse Spiel­wiese an, welche ver­schiedene The­men­bere­iche mit den dazuge­höri­gen Spiel­geräten bere­i­thält. Die ver­schiede­nen The­men­wel­ten, Spiel– und Pflanzbere­iche sollen die Kreativ­ität, den Bewe­gungswun­sch und Neugier wecken und den Kindern somit einen attrak­tiven, natur­na­hen Spiel– und Lern­rah­men bieten.

Die Wege wer­den in grauem Asphalt, die befes­tigten Spielflächen in gebun­denem Kies aus­ge­führt. Alle übri­gen Grün­flächen sind als natur­nahe bunte Blu­men­wiese oder Rasen vorge­se­hen. Einige markante Einzel­bäume ergänzen die beste­hen­den Bäume. Pflanzun­gen mit ein­heimis­chen Sträuch­ern bilden im Bere­ich der Spiel­wiese und der Spiel­geräte räum­liche Akzente, Schat­ten­spender und Rück­hal­ter­aum. Schlichte Poller­leuchten ergänzen die beste­hende Beleuch­tung und begleiten den Erschlies­sungsweg zum Kinder­garten, sie sor­gen für eine tageszeitun­ab­hängige, sichere Zuwegung.


In Zusam­me­nar­beit mit Philipp Betschart Architektur

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